Die erzgebirgische Volkskunst blickt auf eine sehr alte Tradition zurück. Bereits seit dem 12. Jahrhundert fertigten Bergleute in ihrer Freizeit die verschiedensten Holzarbeiten. Meist stellten sie Motive aus dem Bergbau nach und schnitzen diese in Holz. Mit Ende des 16. Jahrhunderts gab es im Erzgebirge immer mehr arbeitslose Bergleute. So setzten die Bergleute ihre Handwerkskunst geschickt ein und schafften sich eine neue Erwerbsmöglichkeit. Es entstanden vor allem Westerzgebirge Holzschnitzereien und im mittleren Erzgebirge die Holzdrechseleien. Im 17. Jahrhundert kamen die Teller- und Spindeldreher noch hinzu.
Inzwischen blickt die erzgebirgische Volkskunst auf eine lange Geschichte zurück. Das Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge ist weltbekannt und erfreut sich großer Beliebtheit.
In kleinen Handwerksbetrieben werden noch heute in Handarbeit die für das Erzgebirge typischen Erzeugnisse hergestellt. Die Region rund um Seiffen, bekannt unter dem Namen „Spielzeugwinkel“ bildet das Zentrum der Handwerkskunst und ist für Herstellung von erzgebirgischer Volkskunst bekannt. Das Markenzeichen der erzgebirgischen Volkskunst ist ein Bergmann auf einem Schaukelpferd.
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Aus Holz gedrechselte und geschnitzte erzgebirgische Holzkunst.
Im Erzgebirge schmücken Bergmannsfiguren an Weihnachten ganz traditionelle die Stuben und Fenster. Die von handgeschnitzten Bergmannsfiguren tragen links und rechts Kerzen und dienen als Lichtträger. Sie stehen meist mit einem ebenfalls Licht tragenden Engel Seite an Seite. So symbolisieren sie nicht nur Mann und Frau, sondern stehen auch für die Anzahl der Kinder, die im Hause geboren worden sind.
Sobald im Erzgebirge ein Mann Vater geworden ist, schnitzte er für den kleinen Erdenbürger eine Bergmannsfigur und stellte diese ans Fenster. Wurde ein Mädchen geboren, schnitze der Vater für seine kleine Tochter einen Lichterengel.
Bergmannsfiguren dienten jedoch nicht nur als Symbol der Vaterschaft, sondern dienten den Bergleuten als Lichtbringer. Sorgende Bergmannsfrauen stellten für ihre Männer die Bergmannsfiguren und Lichterengel in das Fenster und zündeten für sie die Kerzen an. Waren die Bergleute bereits in der Nacht oder zur frühen Morgenstunde unterwegs, so wiesen ihnen die Bergmannsfiguren und Engel den Weg durch die Dunkelheit.
Bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts werden im Erzgebirge diese äußerst dekorativen Nussknacker angefertigt. Sie dienen nicht nur zum Knacken von Nüssen, sondern sind auch ein sehr beliebtes weihnachtliches Dekorationsstück.
Aus Buchen- oder Fichtenholz gedrechselt bekamen die Nussknacker das Aussehen von Königen, Bergleuten, Gendarmen und auch von Soldaten.
In liebevoller Handarbeit wird der Nussknacker in 130 Arbeitsschritten hergestellt. Je nach Art besteht er aus bis zu 60 einzelnen Teilen und ist ca. 35 cm groß. Bunt bemalt und dekorativ geschmückt ist der erzgebirgische Nussknacker damals wie heute beliebt bei Jung und Alt.
Weihnachtsengel entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts im Erzgebirge. Spielzeugmacher stellten die filigranen Weihnachtsengel aus geschnitztem Holz her. Engel haben im Erzgebirge eine große Symbolik. So verkündet ein Engel die Geburt Christi und alle Engel gemeinsam singen das Gloria in Excelsis.
Jeder Engel steht auf einem Podest und hält ein Instrument in den Händen. Einige halten auch einfach nur das Notenbuch oder eine Laterne in ihren Händen. Die Engel sind in naturfarben, bunt und auch hängend oder auch sitzend erhältlich. Aus allen Weihnachtsengeln kann ein ganzes Orchester zusammengestellt werden.
Die aus Holz geschnitzten Engel erfreuen sich auch außerhalb des Erzgebirges großer Beliebtheit.
Schwibbogen sind Lichterbögen und gehören der erzgebirgischen Volkskunst an. Diese wurden damals jedoch nicht aus Holz, sondern aus Metall gefertigt. Erst nach dem zweiten Weltkrieg werden Schwibbogen aus Holz hergestellt. Nach wie vor ist der traditionelle Schwibbogen ein beliebter Weihnachtsschmuck.
Heute findet man jedoch meist elektrische Schwibbogen in den Wohnungen und Häusern vor, die in der Weihnachtszeit Licht in dunkle Nächte bringen.
Schwibbogen stehen als Symbol der Bergleute für das Tageslicht. Auf den Bögen waren Lichthalter angebracht. Diese dienten als Lichtbringer zu Arbeitsbeginn im Morgengrauen und nach Feierabend an dunklen Abenden. In ihren Bögen wurden Alltagsszenen der Bergmannsfamilien dargestellt. Aber auch Berufe der damaligen Zeit fanden als Motiv ihren Platz.
Zur Weihnachtszeit spiegelten sich christliche Motive in den Schwibbogen wieder.
Zu den Schwibbögen
Weihnachtliche Leuchter
Erzgebirgische Reifentiere und Figuren entstehen durch Reifendrehen in einer einzigartigen Handwerkskunst. Das Reifendrehen wurde um 1800 im Erzgebirge entwickelt. Zur Herstellung von Reifentieren wird ein Holzstück solange auf einer Holzdrehbank bearbeitet, bis der Holzring eine Größe von ca. 30 bis 50 Zentimetern hat und die Kontur der gewünschten Figur besitzt. Von dem Rohstück werden kleine Abschnitte abgespalten. Diese dann im nächsten Arbeitsschritt durch Schnitzen und Bemalen zu einem Reifentier oder einer Reifenfigur verarbeitet. Es werden so auch Miniaturhäuschen nachgebildet.
Reifentiere und Figuren werden gerne als Schmuck für Weihnachtspyramiden und auch Weihnachtskrippen verwendet.
Räuchermänner, auch Räuchermännchen genannt, entstanden um 1830 im Erzgebirge. Spielzeugmacher erfanden diese schön anzuschauenden Figuren, die zum Abbrennen von Räucherkerzchen dienen sollten.
Das aus Holz gedrechselte Männchen besteht aus zwei Teilen.
In den unteren Teil legt man das Räucherkerzchen. Dieses wird angezündet und fängt an zu rauchen. Der obere hohle Teil des Männchens wird auf das untere Teil gesteckt. Im Kopf des Räuchermännchens befindet sich ein kleines Loch, meist ist in Form der Mundöffnung. Durch den Mund der Figur entweicht der Rauch des Räucherkerzchens.
Räuchermännchen sind nicht nur im Erzgebirge ein fester Bestandteil der Weihnachtszeit.
Räuchermännchen sind in vielen Gestalten, zu haben. Meist stellen sie einen Beruf dar: Nachtwächter,
Förster, Bergmänner und auch Soldaten gelten als allseits beliebtes Motiv der Räuchermänner.
Räucherkerzchen auch als Räucherkegel bekannt, verströmen meist zur Weihnachtszeit ihren Duft. Räucherkerzchen passen optimal in die dafür geeigneten Räuchermänner.
Bereits um 1750 werden die Räucherkerzen im Erzgebirge hergestellt. Sie bestehen aus dem Harz des Weihrauchbaumes, Sandelholz, Rotbuchenmehl, Kartoffelmehl und Holzkohle. Alle Inhaltsstoffe werden gemahlen und daraus ein Teig geknetet. Aus diesem Teig werden die späteren Räucherkerzchen/Räucherkegel in Form gegossen und können nach dem Trocknen benutzt werden.
Spieldosen wurden im 18. Jahrhundert auch im Erzgebirge hergestellt. Spieldosen sind ein beliebtes weihnachtliches Spielzeug. Die aus Holz geschnitzten Spieldosen sind meist oval oder rund. Sie besitzen in ihrem Inneren ein mechanisches Spielwerk, welches mit einem kleinen Schlüssel aufgezogen werden kann. Ist das Spielwerk aufgezogen, setzt sich die Laufscheibe in Gang und dreht sich rundherum. Die Laufscheibe ist sehr aufwendig verarbeitet. Auf ihr sitzen holzgeschnitzte Figuren. Beliebt sind christliche Motive, aber auch Tannen, Rehe und Hütten, aber und Landschaftsgebilde. Zu den bekanntesten Motiven der hölzernen Spieldosen zählen: Engel und Bergmann, Christi Geburt und auch die Seiffener Kirche mit Kurrende.
Jede Spieldose kann eine Melodie spielen. Die Melodien erklingen passend zur Optik der jeweiligen Spieldosen. Das Spielwerk ist meist 18-stimmig, jedoch gibt es auch 22, 28 und 36-stimmige Spielwerke. Je mehr Stimmen das Spielwerk hat, desto reiner klingt die Melodie der Spieluhr.
Besonders kunstvoll sind die Weihnachtspyramiden des Erzgebirges.
Die aus Holz hergestellten Pyramiden sind ein Bestandteil der erzgebirgischen Holzkunst und waren das Symbol in der Weihnachtszeit. Im 18. Jahrhundert waren Weihnachtspyramiden wohl die bekanntesten Lichtergestelle des Erzgebirges. Die ursprüngliche Form war schlicht und erinnerte an einen Baum.
Die Flügelpyramiden sind holzgeschnitzte Kunstwerke und werden mit christlichen, aber auch weltlichen Motiven angefertigt. Sie bestehen meist aus vier bis fünf Grundplatten. Jede Grundplatte ist ein karussellartiges Gebilde. Auf die Grundplatte können Kerzen gesteckt werden. Oben an der Spitze der Pyramide sitzt ein Flügelrad. Das Flügelrad ist durch einen Stab mit dem unteren Teil der Pyramide verbunden. Auf diesem unteren Kreis und auf jeder Etage (Teller) der Pyramide werden reihum Kerzen gesteckt. Zündet man diese Kerzen an, steigt die Wärme der Kerzen nach oben und bringt das Flügelrad in Bewegung. Durch diesen Vorgang setzt sich die gesamte Pyramide langsam in Schwung und dreht sich rundherum. Die Pyramidenteller werden kunstvoll mit Figuren ausgeschmückt.